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Dienstag, 22. November 2011

Tribute to consciousness.

Sonntag, 13. Februar 2011

Erkenntnis.

In meiner eitlen Not, Verständnis zu erlangen,
Meiner Prinzipien trotz Narzissmus zu beschwören,
Ergreift mich Stolz. Kein grösseres Verlangen
Vermag mein Leben, Deine Liebe zu zerstören.

Montag, 20. Juli 2009

Lamperl.


Ein hoffnungslos verregneter Abend in Wien, Margareten. Der Trommelwirbel der hornissengroßen Regentropfen auf dem noch brunzwarmen Pflaster der Arbeiterstraße verschluckt jegliches andere Geräusch, spült die Hundescheiße fort - kein Sackerlkacken in der Arbeiterstraße. Die Stadt schlummert bereits, beinahe, oder schnackselt, zumindest, hoffentlich, noch bei offenem Fenster, die Abkühlung willkommenheißend.

Samstagabend, also. Guter Stimmung und heiterer Absicht streunen wir, der Alternativen rar, hinein in diesen Wettpunkt, Schauplatz zahlreicher Schlägereien mit entsprechender Geräuschkulisse zu jeder Uhr- und Jahreszeit, und ab zum Automaten, zwecks Bier, da Durst.

Ausstattung erwartungsgemäß: Plastikstühle, Plastiktisch, obligate Plastikrunde: leere Gesichter, halbleere Gläser. Knapp unter der Decke ein bleicher, stummer Fernseher, Menschen laufen einem Ball hinterher. Hinter der sicherheitsverglasten Pudel die Kompetenzfigur, man sieht ein kahles Schädelnackensegment, dahinter die Backen, schwere Atmung: Kreuzworträtsel. Der Bunker nach allen Seiten abgeschlossen, die Tür hinten, gleich neben dem Automaten, der sich scheu in die Ecke presst, die Narben zahlreicher Schlachten auf dem Spiegelreflexüberkondenströpfchenantlitz verewigt.

Gösser & Ottakringer großzügig auf 1.50 nivelliert, goldene Mitte, sozusagen. Vier von sechs slots schimmern traurig trübrot mit den Lamperln, offenbar leergeräumt ob der späten Stunde. Bleiben noch zwei, nämlich eben Gösser, des Maurers Segen, also rein mit der Münze.

2 Euro poltern schwer durch den Mechanismus. Jetzt den Knopf mit aller Kraft hauen, auf Nummer sicher. Warten auf die Hülse. Das innere Auge ist geblendet von golden aufsteigenden Bläschen, der Magen gibt ein kurzes lautes Knurren von sich. Die Vorfreude oszilliert durch den Raum, steckt sogar die Gestalten am Tisch an, so etwas wie Kommunikation scheint sich anzubahnen. Nur das charakteristische Poltern der Blechdose, das bleibt aus.

Die Augenbrauen rücken näher zusammen, eine senkrechte Furche zuckt über die Stirn. Noch einmal auf den Knopf einprügeln - Nichts. Nacheinander auf beide Knöpfe - immer noch nichts. Dann, die Erkenntnis dämmert bereits, den Retour-Knopf. Selber Effekt.

Auf der Suche nach Hilfe umsehen, Verzweiflung im Gesicht. Kompetenzfigur muß her, da drinnen lebt sie, hinter der Pudel, da ist ja auch die Tür, also angeklopft.

Schleifende Bewegung aus dem Inneren des Bunkers. Die Tür wird mit aller Kraft aufgerissen, der Oger steht keuchend aber bedrohlich im Türrahmen, der Pelz auf den Schultern heiligenscheinig schimmernd, das ergraute Muskelshirt beinahe den Wanst bedeckend, die nackte Glühbirne spiegelt sich in der schweißnassen Glatze.

"Was du bum bum?! Was haben Problem?! Warum immer bum bum, vorne kommen!!!", brüllt der Bunkeroger, rollt wütend mit dem rechten Auge.

Äh. Automat...

"Was Automat?!!!", brüllt er wieder, bewegt sich jedoch schwerfällig Richtung Dispenser.

Äh. Geld rein, nix Bier, nix Geld...

"Was nix Bier?!!Nix meine Automat!!", verkündet er und schlägt wahl- und erfolglos auf Knöpfe ein. Sein Geist macht einen Satz nach vorn. "Leer!!!", schreit er mich über die Entfernung von 20cm empört an, als wäre das allein meine Schuld und ich ohnehin nicht ausreichend intelligent für die Handhabung komplexer Maschinerie. "Müssen schauen auf Lamperl!! Wenn Lamperl brennt - leer!!!", brüllt er mich an und wischt sich mit der freien Hand den Schweiß aus einer buschigen Augenbraue. Die andere trommelt weiterhin auf die Knöpfe ein. "Lamperl brennt!!", triumphiert er. Ich bin verwirrt.

Äh. Lamperl brennt nix, stammle ich und deute auf die zwei toten Lämpchen neben den Gösser-slots. Einen Bruchteil einer Sekunde lang starrt er mich an, als hätte er noch nie einen dermaßen dummen Menschen gesehen. Dann, eine Oktave höher, am Ende seiner Kräfte, die bebenden Fingerspitzen der rechten Hand kindesbelehrend geballt:

"Lamperl KAPUTT!!!"

Sprach, marschierte kopfschüttelnd in seine Höhle, kam wieder heraus, eine Mineralwasserflasche knöchelweiß umklammernd, und drückte sie mir knurrend in die Hand.

Wir gingen zurück in den rettenden Regen, mißbilligende Blicke auf unseren Rücken.

Freitag, 2. Mai 2008

Leben.

Der Jahre eine Handvoll, umspiele ich sie wie Perlen, ihrer wahren Bedeutung ungewiss, ihrer Facetten Glanz leicht dümmlich zu kategorisieren suchend. Welche sind der Worte würdig? Und welche Worte - ihrer? Fäden, schwer zu entwirren, voller Richtigkeit, voller Selbstverständlichkeit, doch auch angereichert mit Doppeldeutigkeiten, mit unausgegorenem Zukunftspotential. Jeder Rückschlag erweist sich als Fortschritt. Ansichten werden verfeinert, Absichten verinnerlicht, Vor- und Rücksicht ausgebaut. Manche Freunde erweisen sich als keine, andere als Neue, Neue fühlen sich altbekannt an, und man nimmt das alles an, voll Dankbarkeit, wenn man denn kann.

Donnerstag, 17. April 2008

Turbulenzen.

Interessant, wie das Leben spielt. Erstaunlich gar, beizeiten. Urplötzlich und in weitestem Sinne mit geradezu erhabener, allumfassender Unberechenbarkeit durch die Bandbreite der Wahrscheinlichkeitsstrukturen fluktuierend, sich windend und verbiegend und dabei dennoch, a posteriori, der zentralen, das Rot des sprichwörtlichen Fadens spinnenden, stets der Empirie zugrundeliegenden Sinnhaftigkeit per se (und darin erst offenbart sich die Möglichkeit des nicht hinterfragbaren "per se" so richtig) Tribut zollend. Das Leben ist wie eine Melodie, deren Resonanz uns in jedem empfundenen Moment an alle Entitäten aller erdenklichen (also möglichen und allein schon dadurch existenten) raumzeitlichen Kompositionen jeglicher Art und Form auf unergründlichste Weise bindet

Und dennoch lächeln wir bei diesem Gedanken, baden uns im Licht der Selbstverständlichkeit, unser Streben nach Kontrolle und der Vorherrschaft des "Freien Willens" einen süssen und erleuchteten Augenblick lang fallen lassend. Mehr empfindend als wissend um unsere einzig wahre, bezeichnend menschliche Fähigkeit - die Erkenntnis von Zeit - aber auch um den mit jener Erkenntnis einhergehenden Fluch - die Angst vor dem Ende der erkennbaren, erlebbaren Zeit, bei aller gepflegten, permanenten Kontemplation der Unumstösslichkeit, der Ewigkeit, der Unsterblichkeit des alles umfassenden Ich.

Das Genom, die rebellische Verbindung, plump "Desoxyribonukleinsäure" genannt, das ultimative Speichermedium, das sich vor 4.000.000.000 Jahren schließlich über Das Chaos und den Ihm unterworfenen, brach liegenden energetischen Überfluss (in seinem binären Determinismus auf das konsequent systematische, stets rationale Abklappern unzähliger Kombinationen wiederum unzähliger - weil in ihrer Gesamtheit homogener - Frequenzbereiche fixiert) auferlehnte...

Es muß (ein hier adäquates "Muß", allein schon auf Grund des bloßen Erfolgs), da durch das so oft (wie oft? 10 hoch...mmhh... tja... keine Ahnung... die größten, futuristisch anmutenden, Gefrierpunktgekühlten High-End-Server-Arrays mit scheinbar unerschöpflicher Kapazität der Datenerfassung und -verarbeitung muten im Vergleich zu diesen Datenmengen wie der gute alte Abacus an) angewendete Ausschlußprinzip aus dem Gefüge der Realität herausgemeißelt, eine "absolute" (jedoch nicht unbedingt einzigartige, das Absolute wird bereits durch den ausgelösten Dominoeffekt der Evolution erfüllt, das Gefüge des Chaos durchbrechend) Konzeption einer nicht nur einfach über dem Chaos stehenden, sondern aus diesem evolvierenden, das Prinzip des permanenten Zerfalls als treibende Kraft der Kreation nutzende, Struktur dastellen, das Chaos wie eine alles durchdringende, kosmische Welle reitend. (sorry für die Verschachtelung)

Denn sie ist jene, die durch die Raumzeit schwimmt, sich an die Gesamtheit ihrer Gesetze anpassend, sich den Strömungen und Turbulenzen der Realität vollständig unterwerfend, über den Zahn der Zeit hinweg Korrekturen an sich selbst vornehmend, allein Kraft des permanenten, unfassbaren, natürlichen schöpferischen Prozesses, der allaugenblicklich jede der modularen Eigenschaften eines jeden Replikationsprodukts auf ihre Wirksamkeit, d.h. de facto: auf ihre konzeptionelle Nähe zur Natur des Kosmos hin, getesten; jene Struktur, die mit Gänsehaut erzeugender Eleganz dem Wind des Universums entsprechend die Segel setzt, seine schier unvorstellbar vielfältigen Energien für die Aufrechterhaltung jener Wirbel nutzend, die wir, innerhalb der sehr engen Grenzen unserer Wahrnehmung gefangen, als Mensch, Schmetterling, Kaktus oder Amöbe erkennen... jedoch nicht als das, was jede dieser Strukturen darstellt, nämlich lokale Fluktuationen, Anomalien innerhalb der Raumzeit, mit dem Universum interagierende Quasiwirbel komplexer Natur, die eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Stäbilität erlangen, erhaben über dem alles zermalmenden Fluß der Realität, und zu verschwindend kurzen Augenblicken temporärer Ruhepole werden, Inseln im Meer der Entropie, bevor sie wieder spurlos zerfallen, überwältigt von der alles zermürbenden Kraft der Entropie.

Eine dieser Fluktuationen bin Ich. Energie strömt durch mich hindurch und erhält mir meine Existenz, solange ich meinen Platz innerhalb der Realität behaupte, i.e. LEBE. Wiederum sichert der Energiefluß die Aufrechterhaltung der Anomalie meines Ich, mitsamt aller für mein Leben bezeichnenden physikalischen Eigenschaften, solange die dafür erforderlichen Energieumwandlungsprozesse in relativer Harmonie vonstatten gehen, keine Staus verursachen, die zum Kollaps führen könnten. Der Erhalt meines Lebens basiert auf ständiger Replikation der "Ausgangsformel" meiner Existenz; jeder kleinste, Stoff(Energie)wechsel betreibende Teil meiner selbst ist mit dem Superalgorithmus meines Seins ausgestattet. Das Ergebnis ist eine komplexe Einheit, die im Einklang mit dem Code der Ich-Anomalie besteht und symbiotisch an sie gebunden ist. Die Aufrechterhaltung des Wirbels ist meine Lebensaufgabe, dabei ist meine Existenz die zwangsläufige Konsequenz der Entstehung der Anomalie. Die Erhaltung wiederum hat nur ein Ziel. Obwohl "Ziel" hierbei unangemessen erscheint. Es ist vielmehr die Möglichkeit, die zu ergreifen mir freisteht, jedoch mit einem, sagen wir mal, "evolutionsmoralischen" Beigeschmack.

Zwei komplementäre Anomalien können nämlich das energetische Potential für das "Entzünden" einer Dritten erreichen. Diese vereint strukturelle Eigenschaften beider Ursprungswirbel in sich, deren selektive Permutation ein weiteres Glied in der Kette jenes unaufhörlichen Kompatibilitätstests schafft, auf dem Weg zum "ultimativen" Wirbel, dessen Beschaffenheit schließlich der Struktur des Universums in absoluter Perfektion nachempfunden sein wird. Vorausgesetzt, wir schlagen uns nicht vorher gegeseitig unsere dummen Schädel ein.

Dienstag, 8. Januar 2008

Die Tür.



Manchmal, da offenbart sich einem Einzelnen der Standort der geheimen Tür der Erkenntnis, ihre Konturen treten plötzlich hervor aus den chaotischen Mustern des Universums, werden erleuchtet von der Wahrheit dahinter; ihre warmen Kanten lassen sich ertasten, ihre wundervoll rauhe Oberfläche vibriert voller Ungeduld über den bevorstehenden Austausch. Wenn sich jene Tür schliesslich mit einem Knall öffnet, ertränkt das unendliche Dahinter Einen mit Verständnis, mit Einsicht, mit dem Gefühl der allumfassenden, göttlichen Liebe. Der Sog des Satori übermannt jeglichen Willen, bricht jedes Ego. Dann lächelt die Seele und badet sich in Selbsverständlichkeit.

Plötzlich bekommen Dinge, neben From, Farbe und Geruch, eine Bedeutung. Strukturen und Korrelationen von ungeahnter Komplexität schlängeln sich als dünne Linien durch das fragile Gefüge der Realität. Jeder noch so kleine Bruchteil der Raumzeit ist erfüllt von Information, und jede einzelne macht Sinn. Gerade noch glich das Leben einem Fluss, nun erkennt man die Strömungen, die den mächtigen Ozean ausmachen. Und sich selbst darin, als einen unendlich kleinen Teil des Ganzen, zugleich als dessen Zentrum; ein Sandkorn auf dem Strand des Universums, erleuchtet von dem absoluten Licht der Erkenntnis.

Und dann schliesst sich die Tür wieder, so plötzlich, wie sie aufgestossen wurde, verschmilzt mit der Struktur des Ganzen, taucht unter in dem Fluss des Lebens, geht verloren in dem überwunden geglaubten Chaos, als wäre sie nie da gewesen, und hinterlässt ein Gefühl der Leere.

Die qualvoll süsse Erinnerung an das Gefühl ist so stark, so zentral, dass die wiedergewonnene Realität mangels jenes Empfindens an Fokus, an Bedeutung verliert. Sie wird grau, matt, banal. Dann macht manch Einer sich auf die Suche nach dieser Tür, um das Gefühl des allumfassenden Seins wieder zu finden, nimmt einen Schlüssel nach dem anderen auf, dreht und wendet ihn, in der Hoffnung, seine Geometrie wieder zu ekennen, seinen Klang als Teil jenes Ganzen hinter der richtigen Tür zu entlarven.

Wo ist sie, jene Tür, wo befindet sie sich, welche Nummer steht auf dem rostigen Schild in Augenhöhe, in welcher Sprache sind jene Ziffern formuliert, nach denen Wissenschaftler und Künstler gleichermassen fahnden? Welchem Gesetz folgt der Schwung jener Zeichen, die zwar jeder lesen, aber niemand aufschreiben kann?

Was sah ich, als die Tür sich öffnete? Was vermisse ich, seit sie sich wieder schloss? Was verlor ich in jenem Augenblick? Was fehlt mir seither an dieser Welt, wodurch wird das Gefühl des wahren Seins, der absoluten Liebe vereitelt?

Manchmal lässt mich die verzweifelte Suche wünschen, die Tür nie entdeckt zu haben. Dann bäumt sich alles auf in mir, in lautlosem Protest: nein, es gibt sie, es GIBT sie, ich war dort, ich habe sie gesehen. Ich habe sie berührt, und sie öffnete sich für mich.

Manch ein Leben vergeht auf der Suche nach ihr. Manch eines – vergebens.

Mittwoch, 14. November 2007

Memories of the future...

Einmal, mit dreiundzwanzig, es muss später Frühling gewesen sein, warm und behaglich, da überkam mich ein sehr eigenartiges Gefühl, so als hätten all die Stühle und Bilder und Wände und Häuser und Tauben und Menschen und Autos und Bäume und Städte und Berge und Planeten und Sternhaufen plötzlich aufgeleuchtet und gesagt: wir sind hier, ehrlich.

Ich richtete mich auf und sah mich verwundert um, während mein Geist versuchte, das neuartige Gefühl zu kategorisieren. Ich schien die gesamte Struktur des mich umgebenden Kosmos auf einmal sehen oder eher spüren zu können. Er umgab mich wie eine warme Decke, frisch und sicher. Es war unglaublich. Die Welt, wie sie sich bislang zu erkennen gab, hatte vieles verheimlicht, nun kam sie mit einem vehementen Ruck in Bewegung und für einen Moment sah ich die Räumlichkeit hinter der zweidimensionalen, platten Realität. Mehr noch: ich verstand, das es gut war, gesund, bedeutend. Alles, was ich ansah, strahlte filligran strukturierte Richtigkeit aus. Jeder noch so chaotische Vorgang roch nach Ordnung.

Drei oder vier Tage lang war ich wie verzaubert. Erstaunt schwebte ich durch Zimmer und Gassen und hieß jede Fliege, jede Wolke, jedes Blatt, jedes Wort, jedes Härchen in ihrem Nacken, jeden Augenblick in meiner neuen Welt willkommen. Das Universum ist von absoluter Schönheit. Seinen Gesetzen unterworfene Dinge können nur schön sein, ungeachtet menschlicher Ängste und Hoffnungen. Alles Erkennbare erbringt täglich den nötigen Beweis dafür. Wichtig ist die Perspektive, die Erkenntnis der Zussammenhänge. Diese Erkenntnis hatte ich ganz plötzlich erlangt. Wie ein Geschenk. Es war eine echte Erleuchtung. Und auch das verstand ich sofort. Mein Herz war erfüllt von tiefster Dankbarkeit, in einem Meer von Verständnis. Alle zehn Minuten hätte ich weinen können. Immer wieder war es schlicht notwendig, ich war bereits völlig übersensibilisiert; der Informationsfluss war immens; ein Blick auf jede Struktur, jeden Prozess ergab einen Schwall an Emotionen. Alle Sinne, jeder Gedanke waren nach Aussen gerichtet, jedoch in einer völlig neuen Form: ich war auch Aussen. Der Himmel schien sich in all seiner Unendlichkeit über mir zu erstrecken und ich war Teil des Himmels. Dann heulte ich vor Freude und Hochgefühl und der Himmel heulte mit mir. Ich trank unsere Tränen und roch den Staub und streichelte die nassen Wolken, der späte Mond liebkoste unsere Gesichter mit Licht aus zweiter Hand, das mir Gänsehaut bescherte, und Katzen beäugten uns nachsichtig, aber anerkennend, und grinsten verlegen.

Drei Wochen lang begleitete es mich noch, jenes Licht, langsam an Farbe und Detail verlierend, wie jede Erinnerung. Beinahe euphorisch suchte ich, den Zustand der absoluten Resonanz aufrechtzuerhalten und dachte nach, und hörte Musik (und hörte mich in jeder Strophe, und heulte wieder), und schrieb, nicht gezielt, eher meditativ, zaghaft zunächst, und hielt die Erfahrung einer Erkenntnis in mir aufrecht, einem Heiligtum gleich.

Doch die Vergangenheit hat die Angewohnheit, zu verschwimmen, bis auf ein paar logische Knotenpunkte, etwas, aus dem sich eine erkannte Wahrheit ungefähr rekonstruieren lässt. Bruchstücke der Vergangenheit überlagern und verdrängen einander, verzerren die Zeit, verfälschen das Gesamtbild, nehmen Wunschformen an; alles, was bleibt, ist die Erinnerung an etwas Wichtiges; man verliert den Kontext. Dennoch hinterliess das Ereignis eine süss schmerzende Narbe, die ich seitdem zu streicheln pflege, hin und wieder, in dem Wissen, jenes Gefühl niemals vollständig zu verlieren, jenen Zustand der vollkommenen und allumfassenden, göttlichen Liebe.