Mittwoch, 26. Dezember 2007

Oh, du fröhliche...

So. Fürs Erste hat sich´s ausgeweihnachtet. Gans und Karpfen sind verdaut und abgeführt, die Reihen der Prosecco-Batterien gelichtet, Krümelreste von Weihnachtkeksen wandern von einer Küchenecke in die andere, hier und da blinkt noch die eine oder andere Weihnachtsbeleuchtung. Berge von Verpackungsmaterial aller Größen, Formen und Farben türmen sich in, um und auf den eigentlich geräumigen Müllcontainern, laden dazu ein, die Großzügigkeit der lieben Nachbarn zu begutachten, den Glücksfaktor ihrer Enkelkinder abzuschätzen. Überdimensionierte Playmobil-Puppen-Wolkenkratzer, Playstation-, Xbox-, Wii-, und iPod-Zauberspender, TFTs mit dreistelligen Diagonalen, LotR-hellgate-online-Heroin-Äquivalente, dazu CDs ("danke, Oma...") und Kochbuch-Jahresvorräte, lächelnd angenommen, aus ihren temporären Glitzerhüllen befreit, den Fesseln der Silberschleifen mit den Zähnen entrissen. Darüber eine feine Schneeschicht, nach Jahren mal wieder pünktlich, die Reste der Geschenkeorgie dezent zu verhüllen suchend. Nichts ist so schön wie beschenkt zu werden. Außer, vielleicht, in dem Wettbewerb des Schenkens zu bestehen.

Mittwoch, 19. Dezember 2007

Tja...




Ich wette, Wladimir Wladimirowitsch behält diesen Gesichtsausdruck auch beim Scheißen bei...

Montag, 17. Dezember 2007

Zitat

"Nur ein Arschloch wird erfolgreich."
Robert Grassl sen.

Scheiße.

Was wollen wir überhaupt? Scharfen Whiskey saufen, süsse Mädchen ficken, Koks von ihren braungebrannten jungen Rücken durch hundert-dollar-scheine ziehen, bitt´re Emotionen hegen, uns auflösen in jenem Schmerz des Daseins? Oh, so verflucht pathetisch, allein der pure Gedanke daran. Wozu das ganze Theater? Wozu sich verstellen, sich, unter Verwendung aller rhetorischer Fähigkeiten, Rechtfertigung zusammendichten?

So eine verfickte Scheiße. „Eine Scheiße ist das!!“, schrie Marcello Mastroianni einst, den Mund voll mit Brathähnchen. Er hatte recht, verfluchte Scheiße noch mal! Auf Dich, Marcello! Darauf, dass dein göttliches Talent dafür herhalten musste, den Leuten in so einfachen Worten das zu sagen, was zuzugeben sie nie bereit sein werden. Unsere Zivilisation, die Realität, das Leben, das wir uns geschaffen haben, ist Scheiße. Dünn geschnittene, scharf gebratene, mit Schlagobers aufgekochte, fein passierte Scheiße, und kein Musiker, kein Bildhauer, kein Schriftsteller wird je etwas daran ändern können.

Samstag, 15. Dezember 2007

Demokratie

Willkommen im Russland des 3. Jahrtausends.

Originalschreiben:


Übersetzung:

"Wir Teilen Ihnen mit, dass im Rahmen der 8. Sitzung der Allrussischen politischen Partei "Einiges Russland" die föderale Liste der Kandidaten für die Abgeordnetenwahl der Staatsduma der Föderalen Versammlung der Russischen Föderation registriert wurde, womit der Start des Wahlverfahrens eingeleitet wurde.

Auf Grund der aktuellen Jurisdiktion sind Sie berechtigt, freiwillige Spenden auf das Konto des regionalen sozialen Fonds der Unterstützung der RPP "Einiges Russland" der Stadt Kemerovo zu überweisen.

Wir bitten Sie, Hilfe zum Ziele der Finanzierung der Wahlkampagne im Umfang von 1 300 000,00 Rubel zu leisten.

Für weitere Informationen zur Leistung freiwilliger Spenden können Sie sich an das regionale soziale Fond der Unterstützung der RPP "Einiges Russland" der Stadt Kemerovo wenden, tel: 8-923-611-96-11.
(...)
Sekretär des Regionalen
Politischen Rates
der Kemerover Regionalabteilung
der Allrussischen politischen
Partei "Einiges Russland"
G.T. Djudjaev"

Das Antwortschreiben steht mir leider nicht zur Verfügung. Wirklich schade. Denn hier ist das Folgeschreiben:


Und die Übersetzung:

"An den Direktor der AG Sibirische Kohlenenergie Gesellschaft A.K. Loginov

Ihre Absage, der Regionalabteilung der Partei "Einiges Russland" finanzielle Unterstützung für die Durchführung der Wahlkampagne der Staatsduma der Russischen Föderation zu leisten, bewerte ich als Verweigerung der Unterstützung des Präsidenten W.W. Putin und seines konstruktiven Kurses.

Sehe mich gezwungen, die Administration des Präsidenten und des Gouverneurs des Kemerovskaja Oblast darüber zu informieren.

Sekretär des Regionalen
Politischen Rates
der Kemerover Regionalabteilung
der Allrussischen politischen
Partei "Einiges Russland"
G.T. Djudjaev"

Wer will ein Postscriptum?

Donnerstag, 13. Dezember 2007

...

Wenn Dunkelheit, in ihrer vollen Pracht,
erreicht mein Herz inmitten dieser Nacht,
tief in mir plötzlich blinden Zorn entfacht
und mir den Schmerz der Welt vermacht,

will ich, dass ihr darüber lacht.
(Oktober 2006)

...

Was bedeutet die Welt ohne Wissen?
Ohne Blick für die Wahrheit, sag?
Doch was ich zu verstehen vermag,
Muß ich teilen mit eurem Gewissen.
(Ist für euch nur dahingeschissen,
wenn ich euch einmal danach frag.)

Was bedeutet die Welt ohne Glaube?
Glaube schützt, Glaube schenkt uns Licht.
Wie das Lächeln in ihrem Gesicht,
Dessen ich mich so töricht beraube.

Was bedeutet die Welt ohne Sinn?
Sinnlos leben, wer kann das verkraften?
Nur muss selten der dafür haften,
Der nur trachtet nach seinem Gewinn.

Was bedeutet die Welt ohne Liebe?
Sie gebärt Passion und Gewalt.
Und so trete ich nassen Asphalt -
nur ein Rädchen in ihrem Getriebe.

Was bedeutet die Welt ohne Glück?
Seines Zeichens tragischer Ritter,
Trage ich vor dem letzten Gewitter
Dieses Kreuz, ohne Blick zurück.
(Oktober 2006)

...

Diese Nacht bringt mir Hoffnung und Liebe.
Sie kredenzt mir Verständnis und Freiheit,
sie verscheucht Egoismus und Geilheit,
bläst den Sand aus meinem Getriebe.

Schon entschwindet mein Geist in der Ferne,
Tanzen Finger auf der Tastatur.
Dann vergess ich Moral und Zensur,
Und es gibt nur noch mich und die Sterne.
(Oktober 2006)

...

Ich fühle Schmerz,
So hilflos ob des Wissens
Um mein Unwissen,
Das mich zum Menschen macht –
Einer gewissen “beseelten Kreatur”.

Es lässt mich schwanken,
Lehrt mich fürchten.
Unfähig bin ich, Mut zu fassen,
Mich, des Morgens ungewiss,
Auf´s Gestern zu verlassen,
Blind zu leben.
(2005)

...

Ach, wie geschickt
Drängt sich das Leben einem auf,
Wie schlicht!
So herrlich hilflos - ich, in seinem Angesicht.

Doch wie erhaben das Gefühl,
Den Wettlauf mit der Zeit zu spüren,
Das Feuer des Moments
In sich zu schüren,
Blind, einem Falter gleich,
Zu fliegen in das Licht.

Und nur um, dieses kaum begreifend,
Zeit eines Lebens einen Vektor suchend,
Über die Fülle an Faktoren fluchend,
Es nur zu sehen, nie erreichend.

Der Fluss des Lebens, seine Logik,
Von der der Lyrik ganz zu schweigen,
Ist nur ein Hauch Mathematik,
Vor ihr will ich mein Haupt verneigen.
(2004)